Die drei poetischen Einfältigkeiten

Lassen, Leben, Fassen.

Lasse


Lasse raus und Lasse rein

Lasse fest und haltslos sein

Werfe hin und Werfe her

Wer bin Ich und Wer ist Wer?

Spreche an und Schweige still

Sage nichts, doch was Wer will

Bleibe stehn und Lasse gehn

Lasse finster, Lichter sehn

Binde an und Binde los

Mache nichts und Mache bloß

Gebe hin und Gebe her

Wer bist du und Wer ist Wer?

Sag nicht Ja und ja-nicht Nein

Lasse stumm und lautlos schrei´n

Bleibe nah und Bleibe fern

Wer will nicht, doch Wer zu gern

Nehme dich und Gebe mich

Lasse dich und Fasse mich

Nehme Jetzt und Gebe Hier

Wer ist Herr und Wer sind Wir?

Lebens(t)raum


Das Leben ist wohl stets auf Wegen

in Leiden, Schwäche, Angst, auf Flucht

nach Frieden, Freude, Kraft und Segen

vor sich, dem Tod, in stiller Sucht

So wandelt es in eig´nen Welten

in Sehnsucht nach den süßen Träumen

anstatt in fremden, dunklen Kälten

in warmen, freien, weiten Räumen

Bis endlich stirbt, der Traum vom Leben

gemordet von der Wirklichkeit

der wahre Schmerz, des Lebens eben

sich seiner Illusion befreit

Erst jetzt vollzieht es, tapfre Schritte

auf festem Grunde, stets voran

opfert, quält sich, hin zur Mitte

das sein Geschick, auch reifen kann

In Qualen seines Leidenskampfes

ist letztlich auch der Tod verlor´n

verwandelt Schmerzen seines Krampfes

und wird erneut, in Gott gebor´n

Erlöst, von Angst und Illusion

blüht aus dem Kreuz die Kraft

Erfüllung, nahet der Vision

als Frucht der Leidenschaft

So wirklich, findet seinen Raum

und seines Weges Glück

der ewig, Sühne – Leidenstraum

in jedem Liebesblick

nerobegnie


keinortnochzeiteinkindeinspieleinwegdaszielganznahundweit

einleibdielusteinlichtdergeistinsicherweistsichunbewusst

freigeborgenfreiempfangeneinverlangenohnesorgen

seinundlebenleidenliebennichtsbeschiedennehmengeben

nichtsverlorenalleslassenallesfasseneingeboren

Die Liebe ist der Schöpfungsakt

Von Geist und leiblicher Natur

So leid und lustvoll, frei und nackt

Lebt auch der Glaube nur

mein holdes Glück

Mein holdes Glück, dich will ich greifen

Will nicht zurück, in Sehnsucht schweifen

Will nur voran, dich fest im Blick

Sollst werden mein , nach mei´m Geschick

Hampelmann

Ah schaut her ein Hampelmann

Schaut mal wie der hampeln kann

Hampelt hin und hampelt her

Hampeln ist doch gar nicht schwer

gleich wie ein Kind

Gleichwie ein Kind vergessen spielen

Ganz in Ernst und Phantasie

Ohne schon von Gott zu wissen

Dem Woher, Warum und Wie

bei Leibe

Bei Leibe ist ein Gift aus Trieben

Aus süßlich leidend, sterbend Säften

Ein tödlich Kelch mit Lebenshieben

Und ewig schöpferischen Kräften

Verzweiflung

Ich leide Herr, kanns kaum ertragen

An deinem Plan und meinen Fragen

In all den trüben, kalten Tagen

Die mich mit Qual und Elend plagen

Ist es dein Wunsch mich zu zerreißen

Mir deine Stärke zu beweisen

Oder ist es mir verheißen

Dich als Wund und Schmerz zu preisen

Was gibst du nur, um mir zu nehmen

Warum verlangt der Tod das Leben

Ich kanns nicht, nein, kanns nicht verstehen

Hab keinen Sinn, hab aufgegeben

Freude

Ein stiller Raum, ein lautres Licht

Die Sehnsucht, die im Herzen spricht

Der heile Geist, die klare Sicht

Hinauf aus dunklen Tiefen bricht

In lichte Höhen stark und weise

Auf ewig freier, weiter Reise

Zu einzig Dank und frohem Preise

Als Gottes Gabe, Geistes Weise

In jeder Form und jedem Klang

Nach seiner Norm und Lust gelang´

Vollendung wie von Anfang an

Zu seiner Schöpfung Lobgesang

was ist

Was ist Gott

Und was ist Leben

Was ist Schrott

Und was ist Segen

Was ist Kunst

Und was ist Liebe

Was ist Gunst

Und was ist Lüge

Was ist jetzt

Und was ist ewig

Was gesetzt

Und wonach sehnt mich

Was ist wo, weshalb, warum

ist es so?

nicht andersrum!?

wüsst ich

Wüsst ich wo

und wüsst ich wann

Wüsst ich wie

und wüsst ich dann

Wüsst ich was

und wüsst ich das

Wüsst ich was

und ist es das?

je suis

Je suis apprenti la vie

Je suis, Merci

Je suis

es ist

Es ist,

was war,

was seien wird

Du bist mir nah

so unbeirrt

Ich bin mir fern

fern meiner Lust

Der Sinn

mein Herr

ist unbewusst

So ist er frei

frei jeder Zeit

begreift was sei

in Ewigkeit

Lasse

Liebe

mit dem Herzen

Fasse

Leide

dankbar

Schmerzen

Erdmensch W.


Ein Mensch versagt, Gunst der Seinen

die ihn beklagt und eiternd kränkt

faulig wund´ne Folterleinen,

der´n Schmerze leidend Triebe lenkt


Ohnmacht taube Sinne leben

schein´ gestuftes Sein zu geben

doch aufrecht wahrnehm´ nücht´ner Spur´n

mein´ Gott, erlebte Seelenkur´n

welche das Bewusstsein heben

wohlgleich erleuchtet Geist erfuhr´n


So lehrt ihm jeglich Meisterschaft

um schadlos schöpfen seiner Kraft

sollt´ doch erkenn´ des Mensch Natur

wollt´ einfachst Liebe seiner nur

Besuch der Zeit

Nun saß ich stumm und regungslos

sucht Antwort und Erkenntnis

wie wär den wohl der Gnadenstoß

ein bitteres Verhängnis?


Um meiner Glieder wohlbesonnen

entlad´ ich nur der Seelentonnen

die Sehnsucht, auch, so stark sie sei

Bind ab! Gerinn! Aus! Vorbei!

es ist der Mensch

Es ist der Mensch dem Leid befohlen

so wie ihm nach dem Herzen sehnt

mit welchem auch die Freud gestohlen

und allem, was ihr Sinn erwähnt


Einst schafft ihm Glück die freie Liebe

die ihn umhauchte zärtlich warm

entfesselnd wohnend herber Triebe

die er noch nie zuvor erfahr´n


Doch ward sie ihm so bald genommen

bald so wie sie sich ihm gegeben

Ist sie in Freiheit umgekommen

als Preis für eben volles Leben


Des Menschen Herz das ganz zerfetzt

in Ohnmacht taumelnd sich versteckt

ward nie zuvor so schwer verletzt

ward nie mehr ganz wie einst erweckt


Noch heute ziert es tiefe Narben

die eitrig bluten hinter Bänden

Gleich so wie seine vollen Gaben

nach Freiheit schrei´n in Bunkerwänden

Kindheitskerze

Ein Fräulein ward so lieblich fein

und sollt´ doch nicht alleine sein

und ist sie´s doch in Trübsal noch

so schenk ihr ein von süßem Wein

.
Von süßer Frucht der Liebe nur

die sie erregt und froh erlebt

welch´ Segen ihr gegeben

welch´ Freude schenkt das Leben

.
Auch wenn sie vieles Leid erfuhr

und vieles noch erstrebt

so lass sie wissen von dem Licht

das rein zum Herzen spricht


Es lieblich wärmend zart berührt

zum Rausch der Sinne bald verführt

an jedem Ort, zu jeder Zeit

die Lust der Liebe ganz befreit


Hat sie Geschmack an jenem Trank

soll sie auch niemehr dürsten

denn Sehnsucht ist nur ein Gedank

der Liebeslebensfürsten


Nun wird sie nicht mehr traurig sein

befühlt sie nur ihr Herze

denn dieses strahlt so hell und rein

wie eine Kindheitskerze

GESCHENK DER LIEBE


Ein Mensch der liebt muss sich verschenken

sonst leidet er am bloßem Denken

und kann er auch sich selbst nicht schenken

so schenkt er halt sein loses denken


So denkt er was die Liebe schenkt

und wie sie ihn durchs Leben lenkt

warum er sich nach ihr verrenkt

und stets nur an der einen hängt


Er fragt sich wo sie geht und steht

ob sich die Erde weiter dreht

da auch die Zeit schier nie vergeht

und er sich selbst nichtmehr versteht


Er fürchtet sich vor sein Gedanken

er fürchtet sich, sich zu verlier´n

doch wärmt ihn sein Gedankenzanken

in leerer Kälte, vorm erfrier´n


Er weis die Worte sind nur Kunst

und fern der einen Wahrheit, nur

spürrt auch das Wort ein wenig Gunst

denn Liebe ist, mehr als Natur


Ja, sie ist eine Gotteskraft

der Geist der Schöpfung ist in ihr

und wunderbar was sie erschafft

aus zweiem eins, ein einzig wir


Und diese Kraft des Herrn ist wahr

und fern des Denkens völlig klar

wenn man nur denkt wird’s zur Gefahr

schenkt man sich nicht so wunderbar


Das Wunder des Geschenks der Liebe

sind niemals seine eitlen Triebe

Nein einzig ist´s der heile Geist

der hin zum ew´gen Leben weist


Im Anfang ward der Geist im Wort

ward Wahrheit, Weg und Licht

und blüht im fernen, freien, dort

wo er von Liebe spricht


LIEBESBOTENSCHAFT

Sie sind ganz sanft und leise

auf wohl geheimer Reise

in eine andre Welt

zu ihrem Dienst bestellt


In der sie kaum vernommen

zum rechten Punkte kommen

an dem sie zu gebrauchen

um Liebe einzuhauchen


Zu derem Zweck sie wandeln

aus der heraus sie handeln

ganz ohne eitlen Lohn

wie einst der Menschensohn


Der uns im Leid erlöset

mit seiner Liebe tröstet

aus Finsternis befreite

ins Licht der Wahrheit leite


So dienen seine Boten

die Englein alle nur

besingen freudig Noten

der Herzenspartitur


Mit wundersamen Klängen

ungreifbar schön und warm

die aus dem Herzen drängen

und auf zum Himmel fahr´n


In dem sie angekommen

erzählen jene Kraft

in Frieden, wohlbesonnen

von Liebesbotenschaft

MUSE


Was ist es das mich Menschen treibt

und mir das Glücke einverleibt

es ist die Muse ewiglich

alleine sie erfülle mich


Welch Wunder ist mir nur geschehn

da sie im reinsten Licht gesehn

erleuchtet ganz zu einem gar

so wie mir nie zuvor gewahr


Gleich einer Feder schwebt im Wind

trägt nun die eine mich hinfort

an einen gar vollkommnen Ort

wo alle Menschen Kinder sind


Fern ab von Zeit und Eitelkeit

entsag´ dem trüben Ich

lern´ und find´ Wahrhaftigkeit

in Einheit, wunderlich


Zum Heil bekannt

in Gotteshand

erschaffe ewig neu

den Moment mit allen Sinnen

ganz ohne jede Scheu

ungehemmt im Nichts beginnen

sodass der Herr sich freu´


Doch wisse drum bin mir gewahr

die Muse gleicht dem Vögelein

in meiner Hand so zart und klein

das ahnet nichts von der Gefahr

aus freiem Mute fliegt hinein

im Sinn die Liebe, einzig gar


Und doch droht ihr allein der Tod

so sie gefangen, kommt in Not

ihr Wesen nährt sich eigens nur

indem sie Freiheit, ganz erfuhr


Fliegt sie davon aus off´ner Hand

so kehrt sie bald zurück

doch tut sie´s nicht, sei ausgesandt

wie himmlisch wärmt ihr Glück

Menschenskind


Ein Mensch ist schwach und klein auf Erden

musst schon als Kind erwachsen werden

und wird er dann so stark und groß

sitzt er den andern auf dem Schoß


Schreit nach der Brust, sei´m Kinderbettchen

und je nach Lust, nach Püppi Jettchen

mit der er ´ei´ so gerne spielt

man sie ihm doch zu zeitig stiehlt


Obgleich es ist des Kindes Tugend

und bis zuletzt der Quell der Jugend

entsprungen aus der Liebe nur

des Menschen spielerisch Natur

fließt so dahin Zeit seines Lebens

entlang der Ufer seines Strebens

formt das Relief, die Seelenlandschaft

nach Lust und Laune ihrer Kraft


Die Wunde aus sein Kindheitstagen

wird er wohl je im Herzen tragen

die Puppe die er einst verlor

und der er seine Liebe schwor

sie ist nicht mehr, doch weis er´s nicht

aus Angst das er daran zerbricht


So sucht er weiter nach der Jette

und seinem heilen Kinderbette

in dem er heut noch heimlich sabbert

und sich die Welt ganz neu erklärt

an seinen Fingernägeln knabbert

und Alles nur als Traum erfährt